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HONIGBIENEN

„Apitherapie“: Honig ist mehr als nur lecker
14.11.2011 | 16:14 Uhr

Miljen Bobic hielt im Hildegardisheim an der Clemensstrasse auf Einladung des Imkervereins Castrop-Rauxel
und Umgebung einen Vortrag zum Thema Apitherapie. Foto: Thomas Gödde

Der Imker Miljen Bobic informierte mit einem Vortrag die Mitglieder des Imkervereins Castrop-Rauxel über die Vorzüge von Bienenprodukten, die in der so genannten Apitherapie genutzt werden.

Ein falsches Bild von Honigbienen und ihren Produkten führt dazu, dass ihr Nutzen, ihre Wirkung und ihre Notwendigkeit für den Menschen häufig unterschätzt werden. „In Deutschland sprechen die Menschen meistens nur über den Geschmack von Honig, der gesundheitliche Aspekt wird dabei vollkommen außer Acht gelassen“, tadelt Miljen Bobic.

Der Imker hat am Sonntag im Hildegardisheim an der Clemensstraße für die Mitglieder des Imkervereins Castrop-Rauxel und Umgebung und andere interessierte Bienenfreunde einen Vortrag über die Vorzüge von Bienenprodukten und der so genannten „Apitherapie“, also Therapie mit Bienenprodukten, gehalten. „Im Balkan ist es nicht der Geschmack des Honigs, über den gesprochen wird, sondern die gesundheitliche Wirkung“, so Bobic.

Tatsächlich ist es für den Laien kaum vorstellbar, wozu Honig neben leckerem Brotaufstrich alles fähig ist. Und nicht nur der, sondern fast alle Produkte von Bienen haben eine heilende oder zumindest gesunde Wirkung. „Wir können neben dem Honig auch die Pollen, das Wachs, Gelee Royale, Propolis, Bienenbrot und sogar das Gift verwenden, jeweils entweder zur oralen Anwendung, zur Inhalation oder äußerlich lokal angewendet“, versichert der Imker. Besonders der Stoff Propolis ist ein kleines Wundermittelchen und wird gerne in der Apitherapie eingesetzt. Ursprünglich als pflanzliches Harzkitt zum Schutz von Knospen im Frühjahr gedacht, nutzen es die Bienen auch für ihren Stock.

„Auch die Menschen können davon profitieren. Propolis hilft gegen alles Mögliche, von Erkältung über Nasennebenhöhlenentzündung und kleineren Wunden und Druckstellen bis hin zu Magen-Darm-Beschwerden, Juckreiz und sogar Zellerneuerung“, zählt Bobic auf. Gerne auch prophylaktisch, eine Überdosierung ist praktisch nicht möglich und auch eine Resistenz kann nicht entwickelt werden.

Auch Wachs hat weitere Anwendungsarten als nur Kerzen. „Der menschliche Körper kann Bienenwachs nicht verdauen. Aber oral eingenommen hilft er, den Körper von Schwermetallen zu säubern, spendet Vitamin A und gekaut hilft er der Mundflora. Außerdem wirken Wachswickel Muskelschmerzen entgegen.“ Auch Honig kann mehr als nur nur gut schmecken. „Klassische Honigmassagen mit Blütenhonig helfen bei Muskelschmerzen, Honig enthält viele Nährstoffe und Vitamine, die die Nahrung ergänzen und auch Diabetikern nicht schaden, da im Honig Stoffe enthalten sind, die helfen, den Zucker zu verarbeiten. Akazien- und Weißdornhonig haben außerdem positive Auswirkungen auf Herzbeschwerden.“

Weiterhin ist das Bienengift ein rares und wertvolles Therapiemittel. „Das Gift ist das einzige Produkt der Biene, was dem Menschen ernsthaft gefährlich werden kann. Sorgsam eingesetzt gibt es aber unzählige Anwendungsbereiche, in denen es Erstaunliches bewirken kann“, weiß der Bonner Imker. Damit spielt er besonders auf die antibiotische, zellerneuernde und chemotherapeutische Wirkung an.

„Rund um den Stich einer Biene sterben circa 300 Körperzellen ab. Diese werden recycelt und nachgebildet, wodurch zum Beispiel sogar altes Narbengewebe wieder durchblutet werden kann“, erklärt Bobic, „und auch Muskelschmerzen können durch Bienenstiche therapiert werden, sowie verschiedene Viren, Pilze und Bakterien. Im Prinzip sollten wir jeder Biene danken, die uns sticht!“

Seit 2002 ist Miljen Bobic mit seiner „Imkerei am Jakobsweg“ in Bonn tätig. Der gebürtige Jugoslawe nennt sich selbst „Apitherapie-Berater“, kommt ursprünglich allerdings aus einem ganz anderen Feld. „Eigentlich bin ich Kameramann, aber seit ich das erste Mal mit der Imkerei zu tun hatte, bin ich verbient“, sagt der Wahl-Bonner und lacht. Dass er sich Therapie-Berater nennt, hat einen Grund: „Apitherapeut dürfen sich ausschließlich Ärzte und Heilpraktiker nennen. Deshalb habe ich mich auf Beratungsgespräche zur Therapie spezialisiert, ich gebe Ratschläge, wie Bienenprodukte helfen können. Honigmassagen führe ich allerdings auch selbst durch. Außerdem bin ich Mitglied im deutschen Apitherapie Bund.“

Nach seiner ersten Imkerei in Bonn-Endenich gibt es mittlerweile auch eine zweite in Königswinter im Naturschutzgebiet Siebengebirge. „Bienenprodukte können mehr als die Menschen glauben, und als Imker haben wir die Pflicht, unser Wissen darüber anzueignen und auch weiter zu geben“, fordert er auf. Weitere Informationen gibt es auf der Internetseite von Miljen Bobic: www.imkerei-am-jakobsweg.de.

Nina Lunemann

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