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Bericht vom 15. Juli 2004
Königin "auf Diät" sucht sich eine neue Bleibe
Jede Blüte verleiht dem Honig ein besonderes Aroma - Sigrid Liesenfeld widmet sich den Bienen
Von Roland Zgaga
Jedem sind sie sicher schon aufgefallen, die kleinen "Holzkisten", die versteckt zwischen den Obstbäumen auf den Plantagen stehen. Gerade in der Zeit der Baumblüte, sind die kleinen Bienen in Sachen Bestäubung besonders wichtig. Zu diesem Thema gab uns Dr. Sigrid Liesenfeld Auskunft, die schon seit zehn Jahren Imkerin ist: "Bienen kann man nicht als Hobby betrachten, man muss sich um sie kümmern. Bei einem Hobby kann man aufhören, wann man will und wie man gerade Lust hat. Bei Bienen geht das nicht, sie müssen versorgt werden, wie ein Hund oder eine Katze."
Bienen bestäuben nicht nur die Blüten, sondern "liefern" dem Imker auch Honig, Wachs und Propolis. Der Honig, das Hauptprodukt der Bienen, wird vom Imker mit den Waben entnommen und in einer Zentrifuge "geschleudert". Der Honig, der gegen Ende Juli gewonnen wird, nennt man die "Sommertracht". Honig gibt es in vielen Sorten, je nachdem zu welchen Blüten die Bienen geflogen sind. Jede Blüte verleiht dem Honig ein besonderes Aroma. Eine ganz besondere Sorte, die auch von Frau Liesenfeld angeboten wird, ist Honig mit fein gemahlenen Orangenschalen ("Honigleckerei Orange").
Aus Wachs werden Kerzen gemacht, aber auch Dekoratives wie zum Beispiel kleine Anhänger. Wachs wird aber auch von Bildhauern benutzt, die daraus kleine Skulpturen anfertigen. Außerdem werden aus dem Wachs die Mittelwände für den Bienenstock angefertigt. Auf diesen Mittelwänden bauen die Bienen neue Waben, damit die Königin später ein Ei in diese Wabenzellen hineinlegen kann.
Propolis (lateinisch: Für das Volk) wird von den Bienen gesammelt, da es eine antibakterielle Wirkung hat. Die Bienen sammeln Kittharz an harzigen Bäumen und tragen dies dann in den Bienenstock. Hier wird es mit Stoffen, die von den Bienen stammen, zu Propolis weiterverarbeitet. Von den Imkern wird das Propolis aus dem Bienenstock entnommen, als Lösung oder Balsam verarbeitet und dann als Kosmetikartikel verkauft. Doch alle diese Sachen können von den Bienen nur "hergestellt" werden, wenn es außerhalb des Bienenstockes auch schön warm ist, denn ansonsten fliegen sie nicht. Doch wie ernähren die Bienen sich und ihre Larven im Winter? Denn die Imker haben ihnen ja den "Winter-Proviant" Honig "geklaut".
Da haben die Imker einen tollen Trick entwickelt, um den Bienen ihren Energiestoff "Zucker" zu ersetzen: Pro Volk werden 15 Kilogramm gereicht, entweder als Futterteig aus Puderzucker, oder als konzentrierte Zuckerlösung. Mit dem Zucker können die Bienen ihre Larven füttern und auch ihren Energiebedarf decken. In der kalten Zeit bilden die Bienen eine sogenannte "Wintertraube".
Bei der "Wintertraube" wird eine Kugel in der Größe eines Fußballes gebildet. Dabei schlagen alle Bienen eifrig mit den Flügeln, als ob sie fliegen würden. Die Flügel sind jedoch von der Flugmuskulatur "ausgekoppelt". Dadurch entsteht trotz einer Außentemperatur von bis zu -20 Grad Celsius eine Temperatur von etwa +18 bis +22 Grad Celsius in der "Wintertraube".
Ein weiteres großes Problem bei den Bienen ist die große Bevölkerung eines Bienenstaates. Wie gehen die Bienen mit diesem Problem um? Ein Bienenvolk kann eine Bevölkerung von 30 000 bis 40 000 Bienen haben (im Winter nur maximal 10 000). Wird es den Bienen in ihrem "Haus" zu eng, so füttern die Arbeiterinnen die Königin einfach weniger. Die nun hungernde Königin legt viel weniger Eier als normalerweise (bei optimalen Bedingungen legt die Königin bis zu 2 000 Eier am Tag).
Die Königin, die durch ihre "Diät" jetzt so dünn ist, dass sie wieder fliegen kann, erhebt sich in die Lüfte und fliegt mit etwa der Hälfte ihres Volkes davon. Während ein paar Bienen die Umgebung nach einem geeigneten Wohnort für das Volk absuchen, sitzt die "alte" Königin mit dem Rest ihres Gefolges auf einem Ast und wartet auf die Rückkehr der Kundschafter, um dann in ihr neues "Heim" einzuziehen und einen neuen Bienenstaat zu gründen. Die zurückgebliebenen Bienen haben vorsorglich neue Königinnen in den Weiselzellen "herangezüchtet".
Verwandte der Honigbiene sind unter anderem auch die Wildbienen. Diese völlig harmlosen Bienenarten brauchen keine Bienenkörbe und "produzieren" auch keinen Honig. Bei den Wildbienen kann jede weibliche Biene Eier legen. Die Eier legen sie (manchmal) in Fensterritzen sowie in Holz oder Ton, wenn dort kleine Löcher vorhanden sind. Auch die Wildbienen tragen viel zur Bestäubung der Blüten bei.
Konrad-Adenauer-Gymnasium, Klasse 8 c
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