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Bienenseite

Vortrag Varroa

Der Vortrag von Dr. Otten, Bieneninstitut Mayen, am 05.03.2008 in der Stadthalle Bonn-
Bad Godesberg: “Varroa: Optimale Bekämpfung als Chance für eine gute Überwinterung”
ist hier als Text wieder gegeben. >hier auch als pdf<

Vortrag von Dr. Otten, Bieneninstitut Mayen, am 05.03.2008 in der Stadthalle Bonn-Bad Godesberg

80-90% aller Völkerverluste im Herbst/Winter 2007/2008 wurden durch Varroa ausgelöst.

Obwohl den Imkern schon lange sehr gute Handlungsempfehlungen vorliegen, wird die Anwendung von Behandlungsmitteln sehr oft nicht korrekt gehandhabt oder auch gar nicht eingesetzt. Schuld an den Varroaschäden ist also in der Regel das Imkerlein, das nicht korrekt behandelt hatte. Daher ist einzige Mittel, die Varroa im Zaum zu halten, die Broschüre der AG Bieneninstitute „Varroa unter Kontrolle“ (Anforderung: siehe Anhang) zu studieren, zu behandeln und die Mittel entsprechend ihrer Wirksamkeit korrekt einzusetzen, wobei jeweils eine Sommer- und eine Winterbehandlung obligatorisch sind!

Der Behandlungsbeginn sollte im Sommer direkt nach Trachtende so früh wie möglich sein. Je früher der Behandlungsbeginn, desto geringer sind die Winterverluste!

Im Jahr 2007 war die Weidenblüte ca. 3-4 Wochen früher als üblich. Dieses Jahr ist die Weidenblüte nochmals zwei Wochen eher. Dadurch beginnt die Varroasaison auch dieses Jahr früher und die Schadschwelle wird im Verlauf des Jahres früh erreicht werden. Ein Milbenfall nach Trachtende von mehr als 5 Milben je Volk und Tag ist bereits als kritisch einzuschätzen!

Die Befallsstärke eines Bienenvolkes mit Varroamilben ist davon abhängig, wie groß der Milbenzustrom und die Vermehrungsrate auf der einen Seite und der Milbenabgang sowie die natürliche Milbenmortalität auf der anderen Seite ist.

Die Milbe vermehrt sich in der verdeckelten Brut. Dabei müssen die schlüpfenden Milben ausgewachsen sein, bevor die Biene schlüpft. Theoretisch können sich im Schnitt in der Arbeiterinnenzelle 2 Tochtermilben entwickeln, in der Drohnenbut aber 4 bis 5 Tochtermilben! In der Königinnenzelle ist wegen der kurzen Larven- und Puppenstadiums keine Entwicklung von Tochtermilben möglich. Praktisch reduzieren sich diese Werte aber auf 1,6 bis 1,8 Tochtermilben in der Arbeiterinnenbrut und ca. 2,6 Tochtermilben in der Drohnenbrut. Deswegen bevorzugt die Milbe die Drohnenbrut.

Drohnenbrutschneiden ist aber nur unterstützend, nicht mehr. Eine ausreichende Varroabekämpfung mit Drohnenbrutschneiden allein ist nicht möglich.

Die Vermehrung der Milben ist im Jahresverlauf unterschiedlich. Im Frühjahr ist die Entwicklung eher verhalten. Die Milbenströme gehen zur Vermehrung nur verzögert in die erste Brut, verstärkt erst dann, wenn die ersten Jungbienen geschlüpft sind.

Zum Sommer hin nimmt die Milbenvermehrung zu. Bei der Carnica-Biene ist das Maximum im Mai/Juni.

Zur Sommerbehandlung empfiehlt Dr. Otten gemäß der Broschüre der Bieneninstitute die Ameisensäure und die zugelassenen Thymolpräparate. Dabei ist zu beachten, dass die Selbstverteilung von Ameisensäure und Thymol im Bienenvolk von der Witterung abhängig ist. Eine Außentemperatur von 15°C ist das Minimum, 30°C das Maximum.

Milchsäure und Oxalsäure im Sommer keinesfalls anwenden, Ausnahme: Behandlung von Kunstschwärmen.

Dramatisch kann der Milbeneintrag im Herbst durch Bienen von zusammenbrechenden Völkern sein. Es wird diskutiert, ob die Bienen durch Varroa-Parasitierung veranlasst werden, in andere (gesündere) Völker einzufliegen. Befallene Bienen verfliegen sich häufiger! Der Hauptmilbenzustrom ist im September und kann bis zu 100 Milben pro Woche betragen. Er stammt aus parasitierten Völkern im Umkreis von bis zu 2 km! Daher ist zwingend eine Winterbehandlung erforderlich! Auch das Zählen der Milben gibt z.T. nur trügerische Zahlen wieder und ist keine sichere Aussage über die tatsächliche Varroabelastung!

Termin für die Winterbehandlung mit Oxalsäure oder Milchsäure ist der Spätherbst (November/Dezember)(Brutfreiheit). Dr. Otten bevorzugt die Oxalsäure-Träufelbehandlung wegen ihrer leichten Anwendbarkeit. Die Winterbehandlung ist bis Silvester abzuschließen.

Bei Winterverlusten erkennt man Varroaschäden u.a. an verkrüppelten Bienen im Totenfall. Spült man den Totenfall mit Wasser und etwas Spülmittel, kann man die Varroen heraussieben und auszählen.

Dr. Otten warnt ausdrücklich vor der Anwendung von nicht zugelassenen Mitteln. Außerdem weist er ausdrücklich daraufhin, dass bei Ameisensäure, Milchsäure und Oxalsäure immer die Qualität ad us. vet. anzuwenden ist.

Traurig gestaltete sich die Tabelle der befragten Imker, die sich wegen zusammengebrochener Völker in Mayen gemeldet hatten. Viele Imker hatten die Varroaproblematik ihrer Völker überhaupt nicht erkannt und diejenigen, die behandelt hatten, hatten die Mittel zur falschen Zeit oder nicht ausreichend eingesetzt, z.B. wurden mehrfach Perizin oder Oxalsäure bereits im Sommer angewendet.

Anmerkung der Redaktion: nicht nur die Imker wenden Behandlungsmittel eher nachlässig an, auch die Behandlungsmittel (Medikamente) zu Humanzwecken werden ja meist sehr eigenwillig gehandhabt (was habe ich noch im Schrank? oder, was hat denn damals Herrn XY geholfen? oder, was? So viel will ich nicht schlucken!) oder es wird eben gar nicht behandelt!

Rheinland-Pfalz hatte auch einen Versuch gestartet, einzelne Imker zu Varroa-Fachleuten auszubilden. Merkwürdigerweise war die Resonanz bei den Imkern sehr gering.

Bezug der Broschüre „Varroa unter Kontrolle“ z.B. über die Arbeitsgemeinschaft der Institute für Bienenforschung e.V., Geschäftsstelle in Celle. 05141/ 90 503-40 (Schutzgebühr 1,50€) oder bei allen Bieneninstituten,

oder kostenloser download unter den Links auf der Seite: www.ag-bienenforschung.de

oder >direkt von dieser Vereinsseite<

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