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"Der Park ist eine Attraktion für Bonn"
OB Bärbel Dieckmann entdeckt das Arboretum-Park Härle in Oberkassel - Im restaurierten Fachwerkhaus soll langfristig ein Besucherzentrum entstehen - 2 500 Gäste kamen bereits in diesem Jahr
Von Hagen Haas
Oberkassel. Wolfgang Hürter ist nicht nur Bürgermeister der Stadt Bonn, sondern auch Schmetterling-Experte. Und natürlich hat der Oberkasseler eine besondere Bindung zum Arboretum-Park Härle. Als Jugendlicher, so mit 14, 15 Jahren, ist er kurzerhand über den Zaun geklettert und mit seinem Fangnetz auf die Jagd nach dem Trauermantel gegangen.
Ein Besucherzentrum für den Arboretum-Park soll in dem alten Fachwerkhaus entstehen: (v.l.) Winfried Dahl, Erich Steinsdörfer, Carl Heinrich Schulte zur Hausen, Eugen Moll und Eberhard von Groote von der Stiftung Arboretum. Foto: Max Malsch
Die Fleckenfalter-Art kreiste damals um den Maar im Osten des Parks. Jetzt brachte Hürter seine Parteifreundin Bärbel Dieckmann mit an die Büchelstraße. Für die Oberbürgermeisterin war es sozusagen das erste Mal - und es schien ihr gefallen zu haben.
"Der Park ist eine Attraktion für Bonn", meinte die OB nach einem Rundgang. "Er hat eine spannende und interessante Geschichte." Nach Ansicht Dieckmanns sollten Touristen über die Bonn-Information auf das botanische Kleinod aufmerksam gemacht werden. Der malerische Park schlummerte jahrzehntelang in einem Dornröschenschlaf und war der Öffentlichkeit so gut wie unzugänglich.
Das im vergangenen Jahr renovierte Fachwerkhaus bildet zurzeit "die Vorstufe eines Besucherzentrums", sagte Carl Heinrich Schulte zur Hausen (64), Neffe der verstorbenen Schwestern Maria und Regina Härle. Das Haus wurde vermutlich 1785 errichtet. Während der sechs Monate dauernden Arbeiten 2003 wurden die angefaulte Holzkonstruktion der Fassade restauriert und im Innenbereich vollständig neue Heizungs- und Sanitäranlagen eingebaut, wie Architekt Herbert Selldorf berichtete.
Der Wohnraum und das Badezimmer im Obergeschoss sind für Praktikanten vorgesehen, die sich mit dem Park beschäftigen wollen - im Frühjahr hatte sich beispielsweise die Bad Honnefer Künstlerin Doris Lenz dort einquartiert. Im Erdgeschoss soll langfristig die Öffentlichkeitsarbeit des Arboretum-Park Härle ihr neues Zuhause finden.
"Als Kinder haben wir oft unter den Bäumen gespielt", erinnerte sich Carl Heinrich Schulte zur Hausen auf dem Rundgang. Jede Woche komme er an die Büchelstraße, um sich mit dem Technischen Leiter des Parks, Michael Dreisvogt, abzusprechen.
"Das ist ja ein richtiger kleiner Betrieb." Einen konkreten Lieblingsplatz habe er nicht, so der 64-Jährige mit stattlicher Erscheinung und sonorer Stimme: "Jede Ecke ist anders - man kommt von einem Staunen ins andere."
In diesem Jahr staunten bislang etwa 2500 Besucher über die idyllische Anlage. "Das Arboretum muss man mindestens zu drei, wenn nicht vier Jahreszeiten erleben", empfahl Hürter. Der besondere Zauber des Härle Parks erschließt sich dem Gast sowieso nicht beim ersten Besuch. Er will entdeckt werden.
Stiftung Arboretum Park Härle, Büchelstraße 59 (Oberkassel), (0228) 24 99 270. Öffentliche Führungen noch bis einschließlich Oktober: Jeden ersten Samstag im Monat (10 Uhr) und jeden dritten Mittwoch im Monat (17 Uhr). Der Eintritt ist kostenlos.
(27.08.2004)
Info zum Arboretum Park Härle
Oberkassel. (hgh) 1921 erwarb der Jurist Carl Härle aus Mühlheim an der Ruhr das Anwesen Büchelstraße 50 in Oberkassel. Hier hatte der damalige Direktor der Rheinischen Eisenbahn-Gesellschaft, Franz Carl Rennen, schon 1870 auf einem zirka sieben Hektar großen Grundstück ein Landhaus errichtet und mit der Anlage eines Parks begonnen, von dem heute unter anderem noch zwei Atlaszedern, ein Gingkobaum und ein Mammutbaum erhalten sind.
Härle ließ das Wohnhaus zum Sommersitz der Familie umbauen und oberhalb der Büchelstraße eine Erwerbsgärtnerei mit Gewächshäusern entstehen. Der hangaufwärts gelegene Wald wurde von dem Landschaftsarchitekten Carl Rohde aus Bad Godesberg gestaltet.
Nach Härles Tod im Jahr 1950 widmeten sich seine Töchter Maria und Regina intensiv der Pflege und der Erweiterung des Parks. Durch den Bau der B 42 am Ennerthang wurde die Grünanlage 1975 auf die heutige Größe von 4,7 Hektar verkleinert. Gleichzeitig wurde die Gärtnerei aufgelöst und das Gelände zum Arboretum umgewandelt.
Heute beherbergt der Park mehr als 800 verschiedene Bäume und Sträucher, darunter wertvolle Solitärpflanzen besonders seltener Gehölze wie Zimtahorn, Dreiblütiger Ahorn, Hänge-Pyrenäeneiche, Alligator-Wacholder, Hänge-Douglasie oder Blumenhartriegel.
Nach dem Tod ihrer Schwester Maria im Jahr 1996 vollzog Regina Härle ein Jahr später den testamentarisch festgelegten Willen beider Schwestern durch die Installation der gemeinnützigen Stiftung Arboretum Park Härle, die sie bis zu ihrem Tod anno 2000 betreute. Die Verwaltung der Stiftung wurde dem Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft übertragen. Der Park ist in das internationale Netz der Botanischen Gärten eingebunden.
(27.08.2004)
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